Nachhaltigkeit von BPMN-Modellen?

Als Befürworter der Modellierung mittels UML und BPMN war ich in meiner langen Berufspraxis immer wieder enttäuscht, wie wenig diese standardisierten Notationen eingesetzt werden und insbesondere wie schlecht die Modelle in den unterschiedlichen Firmen gepflegt wurden.

Obwohl die meisten Modellierungswerkzeuge leider keine oder nur eine ungenügende Unterstützung im Bereich der Versionierung und des Vergleichs zwischen Modellversionen anbieten, werden trotzdem keine Anstrengungen unternommen, Modelle aktiv zu pflegen (Vergleich mit der betrieblichen Realität, Änderungen am Modell mit Änderungsnachweis und Historie, Genehmigungsprozess, Veröffentlichung und Dokumentation).

Meine Erfahrung bezieht sich auf Firmen in der Privatwirtschaft. Ich nehme an, dass öffentliche Institutionen in Sache Nachhaltigkeit von Modellen ein besseres und positiveres Verständnis haben.

Es würde mich interessieren, welche Erfahrungen eCH-Mitglieder in diesem Zusammenhang gemacht haben.

 


Antworten(4)
Nutzen durch prominente Präsentation der Prozesse

Gespeichert von Christoph Müller am Fr, 18/08/2017 - 10:33

Ich denke der Nutzen liegt zu einem grossen Teil in der Art der Präsentation. Ist der Prozess in einem nicht zugänglichen Tool modelliert und danach per Report in ein Dokument generiert worden, welches dann in irgendeiner Ablage liegt und keine/r den Prozess findet, wenn sie/er ihn sucht, dann ist niemandem geholfen.

Mein Ansatz auf meinem aktuellen Kundenmandat ist, die Prozesse eng mit den täglichen Arbeiten zu verknüpfen, so dass eine integrierte Arbeitsumgebung aus Prozessplattform (in diesem Fall Signavio Collaboration Hub), Dokumentenmanagement, Wiki (beide Sharepoint) und Intranet entsteht.

Mag etwas Off-topic sein aber trägt zum Nutzen bei: Steigt man tiefer ins Prozessmanagement v.a. von IT-Prozessen ein, so taucht immer wieder die Frage nach Key Performance Indicators KPI und Messgrössen auf. Mit meinen Kunden definiere ich nur Messgrössen, welche einfach gemessen werden können und ihm ein Argumentarium geben, seine eigene wie auch die Servicequalität seiner Provider zu steigern. Dabei spielen Best Practice Messgrössen nur eine sehr kleine Rolle. Jeder KPI muss abgestimmt sein auf die Ziele der Organisation.

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Nachhaltigkeit von BPMN-Modellen

Gespeichert von Walter Zimmermann am Mi, 17/05/2017 - 09:26

In meiner Einheit Kundenprozesse der VRSG werden BPMN Modelle für den Kunden erstellt und auch surch ein BPM Werkzeug automatisiert. Dabei ist nicht nur die Versionsverwaltung der BPMN Modelle an sich problematisch, auch Anpassungen an der Prozess-Implementation müssen in das BPMN Modell zurückgeführt werden. Die Unterstützung des aktuell verwendeten Werkzeugs ist dabei ungenügend. Das ist eine der Herausforderungen die uns aktuell umtreibt.

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Ich sehe eine höhere Akzeptanz für BPMN in den letzten Jahren

Gespeichert von Matthias Dyer am Mi, 05/04/2017 - 08:14

Meine Erfahrung als Berater zu Prozessmanagement in Privatwirtschaft und öffentlicher Verwaltung ist, dass in den letzten 2 Jahren der Einsatz und Akzeptanz von BPMN 2.0 in den letzten Jahren stark zugenommen hat.

Ich motiviere meine Kunden schon seit mehr als 6 Jahren BPMN zu verwenden und biete auch Schulungen an. Anfangs stiess ich noch oft auf Unverständnis. Heute jedoch treffe ich immer häufiger Unternehmen an, welche bereits BPMN als Standard für die Prozessdokumentation gesetzt haben.

Der Bedarf für Tools mit besserer Unterstützung für eine durchgängige Prozessdokumentation kann ich bestätigen. Es gibt jedoch auch Produkte, die das schon sehr gut können (z.B. jenes von einem der Sponsoren dieser Prozessplattform). Die können Versionierung, Historisierung, Vergleiche, mehrere Hierarchien, Landkarten, Prozesssteckbriefe etc. Ich nehme an, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis andere Hersteller nachziehen.

Beste Grüsse

Matthias Dyer

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Eine erste Antwort

Gespeichert von Marc Schaffroth am Di, 04/04/2017 - 16:55

M.E. müssen die Fragen nach dem Eignungszweck von BPMN und der Nachhaltigkeit einer BPM-Dokumentation (mit welcher Notation auch immer) in privaten oder öffentlichen Organisationen auseinandergehalten werden.     

Aus meiner eigenen Erfahrung als Prozessmanager in der öffentlichen Verwaltung erachte ich den Einsatz von BPMN als zweckmässig und für nachhaltig. BPMN ermöglicht mir sowohl organisationsintern wie organisationübergreifend den fachlichen Austausch über Geschäftsprozesse. Zudem gibt es heute für jedes Bedürfnis und jede Preislage BPM-Tools basierend auf BPMN. Dies ermöglicht ebenfalls den einfachen Austausch resp. die Migration von Prozessmodellen.  

BPMN wurde bereits 2009 von eCH als produktunabhängige grafische Notation zur einheitlichen Darstellung von Geschäftsprozessen standardisiert.

Der Fokus bei der Verwendung von BPMN in der öffentlichen Verwaltung liegt bis heute bei der *fachlichen* Prozessdarstellung („deskriptive Modellierung“): Primäres Ziel ist also nicht die „Prozessautomatisierung“, sondern ein gemeinsames fachliches Verständnis unter den Prozessteilnehmern (inkl. den externen Dienstleistern) auf der Basis einer einheitlichen Sprache (BPMN).

BPMN gilt heute in der öffentlichen Verwaltung der Schweiz unbestrittenermassen als Modellierungsstandard. Die (deskriptiven) BPMN-Prozessmodelle sind auch ohne Spezialkenntnisse recht intuitiv verständlich. Mit einer Vielzahl von Kursen und Lehrgängen (inhouse, Fachhochschulen, private Anbieter) ist zudem für die nachhaltige Verbreitung bzw. breite Anwendung von BPMN gesorgt.

Zur Problematik einer kontinuierlich nachgeführten BPM-Dokumentation werde ich mich in einem nachfolgenden Beitrag äussern. 

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