Innovation

Gespeichert von eCH-BPM Redaktion (Verein eCH) am Fr, 25/11/2016 - 08:33

eCH-BPM Redaktion (November 2016)

Open Innovation?! - Ein Diskussionsbeitrag der eCH BPM-Redaktion zum 10. E-Government-Symposium Schweiz

„Ist Open Innovation der Schlüssel zu einer zeitgemässen und effizienten Digitalisierung der Verwaltung?“. Mit dieser Frage befasst sich das 10. E-Government Symposium am 30. November 2016 in Bern.

Der Standpunktbeitrag der eCH-BPM-Redaktion befasst sich mit aktuellen Themen von E-Government-Schweiz: Die prozessorientierte Erneuerung ("Innovation") der Verwaltung eröffnet gerade auf der Ebene der einzelnen Verwaltungseinheiten Chancen, prospektiv und nachhaltig mit den wiederkehrenden Spardiktaten umzugehen. Ein erster Schritt dazu ist die Leistungs- und Vollzugskritik im Rahmen der - ja, sprechen wir es hier klar und deutlich aus - der Unternehmensentwicklung in der öffentlichen Verwaltung. 

“Open Innovation?!”

Der Begriff Open Innovation bezeichnet (gemäss Wikipedia) die Öffnung des Innovations­prozesses einer Organisation zur „Aussenwelt“ hin. Es werden dabei folgende Szenarien unterschieden:

  • Outside-In Innovation: Integration von externem Wissen (von Kunden, Geschäftspartnern etc.) in den eigenen Innovationsprozess. Dadurch werden die Qualität und Geschwindigkeit der Innovation erhöht und gleichzeitig Risiken gemindert.
  • Inside-Out Innovation: Bereitstellung (Externalisierung) von internem Wissen für die Aussenwelt.

Dabei sei nur am Rande vermerkt: Um auf der Organisationsebene Wissen austauschen zu können, ist es vordringlich, eine Praxis des organisationsinternen Wissensmanagements zu etablieren.

Open Innovation 1959 - Miles Davis: Kind of Blue - Innovation durch geteiltes Wissen und Können

Unternehmensentwicklung - jetzt erst recht!

Innovation bedeutet mehr als technische Innovation. Sie erfordert ein gemeinsames Verständnis der Unternehmensentwicklung in der öffentlichen Verwaltung. Die Erneuerung innerhalb der Verwaltungseinheiten von Bund, Kantonen und Gemeinden ist das vordringliche Ziel - wenn E-Government Schweiz "nachhaltig" werden soll. Bei einer auf die Modernisierung der Geschäftsprozesse gerichteten „Digitalisierung der Verwaltung“ sind Unternehmensarchitektur und Geschäftsprozessmanagement als Instrumente der Unternehmensentwicklung gefragt.

Vision und Strategie ermöglichen Leistungs- und Vollzugskritik: "Welche Leistungen bieten wir zukünftig an? Wie organisatieren wir die Leistungserstellung? Welche Prozesse und Infratstrukuren setzen wir dazu ein?" 

Open Innovation-Prozessplattform: eCH-BPM

Die Prozessplattform für E-Government Schweiz (eCH-BPM) unterstützt den Aufbau des Prozessmanagements bei Gemeinden, Kantonen und Bundesstellen.

Im Sinne von Open Innovation tauschen hier Schweizer Verwaltungsstellen (vereint mit Dienstleistern der öffentlichen Verwaltungen sowie Lehrinstituten) seit über einem Jahr ihr Wissen und ihre Erfahrung im Prozessmanagement aus.

 

Hier und jetzt: Open Innovation-Prozessplattform der öffentlichen Verwaltung der Schweiz (eCH-BPM)

Durch die Entwicklung des BPM-Reifegrades im eigenen Zuständigkeitsbereich (Outside-In Innovation) werden zugleich die Voraussetzungen für die organisatorische Interoperabilität geschaffen (Inside-Out Innovation).  

Abbau von Bürokratielasten

Organisatorische Interoperabilität ermöglicht die ebenenübergreifende Vernetzung von Leistungen, Prozessen sowie von Vertriebs- und Produktionsstrukturen. Unter Wahrung der föderalen Organisation können dadurch Bürokratielasten für Verwaltungskunden nachhaltig abgebaut werden („durchgängige Prozesse“). Unter Nutzung des Gestaltungspotentials der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) lässt sich die öffentliche Verwaltung der Schweiz schrittweise in die Richtung einer „Vernetzten Verwaltung Schweiz“ erneuern.

Vernetzte Verwaltungsprozesse statt Bürokratiefrust

Gesamtwirtschaftlichkeit im Fokus

Aufgrund der Uniformität des Verwaltungsverfahrens können bei „digitalen“ Geschäftsprozessen die benötigten Prozessbausteine, Dienste, Anwendungen, Schnittstellen und Infrastrukturen organisations- und prozessübergreifenden genutzt und vernetzt werden (Mehrfachnutzung). Durch die gemeinsame Nutzung werden Organisations-, Prozess- und Informatikkosten der öffentlichen Verwaltung nachhaltig gesenkt.    

Gesamtwirtschaftlichkeit der Wertschöpfungskette der Verwaltung im Fokus

Innovation der Sparpolitik opfern?

Die Innovationsappelle der Strategie Digitale Schweiz und der E-Government-Strategie Schweiz werden angesichts der real anstehenden Sparrunden in der öffentlichen Verwaltung womöglich rasch verhallen.

Daraus ergeben sich zwei Erfordernisse:

  • Die Politik wird sich parteienübergreifend darauf besinnen müssen, dass die Schweiz ihren Spitzenplatz unter den global wettbewerbsfähigsten Nationen (gemäss Word Economic Forum WEF)nur dann erfolgreich verteidigen oder gar ausbauen kann, wenn sie auch in die Verwaltungsmodernisierung investiert.
  • Beim Erstellen der Verwaltungshaushaltspläne genügt es nicht mehr, wie bisher mit der „Rasenmäher-Methode“ die nächste und übernächste Sparrunde zu überstehen. Sparen hin oder her: Die Instrumente der strategischen Unternehmensentwicklung helfen durch konkrete Modernisierungsschritte, die vorhandenen Handlungs- und Gestaltungsspielräume zu erhalten resp. neue zu schaffen.    

Ein visionärer Pakt zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz

In diesem Sinne plädieren wir dafür, „Open Innovation“ (auch) als multilateralen Austauschprozess und visionären Pakt zwischen der Politik, den Bürgerinnen und Bürgern, der Wirtschaft und der Verwaltung zu verstehen und in Gang zu setzen. Das gemeinsame Ziel lautet: Den Spitzenplatz der Schweiz als wettbewerbsfähigste Nation der Welt bewahren und ausbauen.

Bleibt die Schweiz auch ohne Verwaltungsinnovation weiterhin die Nr.1 der wettbewerbsfähigsten Nationen?

Die Diskussion jetzt führen

Sie sind herzlich eingeladen, mit uns die Modernisierungsperspektiven der Schweizer Verwaltung sowie geeignete Massnahmen und Vorgehensweisen in Politik und Verwaltung u.a. auf der Prozessplattform für E-Government Schweiz zu diskutieren:

Gespeichert von Schärli Thomas (schärli share) am Fr, 25/09/2015 - 22:50

Thomas Schärli, schärli share, eCH-Mitglied (November 2015) 

Think big – Start small

In persönlichen Gesprächen über die eCH-Prozessplattform begegnet mir des Öftern eine misstrauische Grundstimmung: Was ist der Nutzen eines solchen Angebots? Wen könnte das interessieren? Entweder sind die Darstellungen so banal, dass jede Behörde, die eine gleiche Leistung anbietet, dies im Handumdrehen auch selbst beisammen hat. Oder sie sind zu kontextsensitiv, so dass die Anpassung auf einen anderen organisatorischen Rahmen mit ebenso hohem Aufwand wie das unvoreingenommene Zeichnen eines eigenen Prozesses verbunden ist.

Ja, die Frage nach dem Nutzen. Was bringt das Zeichnen von Prozessen überhaupt, wenn die Realität im Alltag ganz anders aussieht? Oder wenn modellierte Prozesse einen dazu zwingen, Abläufe einzuhalten, obwohl deren Zweckmässigkeit im konkreten Einzelfall fragwürdig ist? Wird dann die Bürokratie nicht einmal mehr verstärkt? Wo wir bereits heute unter einer zu hohen Regelungsdichte leiden. Man sollte endlich einmal wieder dem gesunden Menschenverstand vertrauen.

Dann erinnere ich mich aber, Ähnliches auch schon in anderen Zusammenhängen gehört zu haben: Welche Chancen haben die Aktivitäten zur Bereitstellung eines Referenzdaten-Services? Oder zur Gestaltung eines uniformen ‚Front Office’? Auf beides hat niemand gewartet.

Ich könnte jetzt antworten, wie diese sehr verschiedenen Initiativen als Mosaiksteine zu einer neuen, zeitgemässen Form der öffentlichen Leistungserbringung zu verstehen sind. Stückwerk, das auf ein noch fernes Vollkommenes hinweist. Und würde riskieren, dass mich niemand versteht. In der postmodernen Ära wurde die Zeit der grossen Erzählungen für tot erklärt. Auch ‚Verwaltungsmodernisierung’ klingt vor diesem Hinter­grund verstaubt. Die hochfliegenden Ideen sind, wie Klaus Lenk in seinem Standpunkt schön schreibt, in den üblichen Routinen kleingearbeitet worden.

Kreativität und Innovation: Paul Klee - Blick aus Rot, 1937 (Copyright ZPK, Bern)

Innovation und Kreativität: Paul Klee - Blick aus Rot, 1937 (Copyright ZPK, Bern)

Vielleicht gibt es inzwischen niemanden mehr, die / der den zündenden Durchblick hat. Allenfalls spüren wir noch, wo ungefähr „es entlang gehen“ könnte. Wir fangen an einer Ecke an in der Hoffnung, das Mosaik schliesse sich irgendeinmal von selbst. Viel mehr als diese Hoffnung bleibt uns nicht.

Dies ist meine persönliche Meinung. Zum Glück gibt es auf der Prozessplattform die Rubriken ‚Standpunkte' und 'Diskussion''. Da darf man so etwas äussern.

Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Manch durchschlagender Erfolg in der inzwischen Realität gewordenen Informationsgesellschaft beruht auf einem zündenden Funken – einem Geschäftsmodell, das sich aus dem Rückblick als erfolgreich herausstellt. Zugegeben: Der Staat hat andere Ziele als Geld zu verdienen und Gewinn zu machen. Es geht um ein geordnetes Zusammenleben, um Sicherheit, um die Bewahrung von Wohl­stand, um eine florierende Wirtschaft, um die möglichst reibungslose Absorption von Flüchtlingsströmen, die im Idealfall lenkbar, aber nicht abweisbar sind. All dies setzt einen leistungsfähigen, transparenten Staat, der das Vertrauen seiner Angehörigen geniesst, voraus.

Die Prozessplattform liefert keine Antwort auf sämtliche der angesprochenen Postulate. Sie schafft immerhin einen Anfan