Collaborative Governance - Fach- und verwaltungs- übergreifende Zusammenarbeit im E-Government

Angelina Dungga, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut Public Sector Transformation, BFH (Februar 2020)

Collaborative Governance - Fach- und verwaltungsübergreifende Zusammenarbeit im E-Government

Die Verantwortung für die Digitalisierung eines Verwaltungsprozesses liegt bei der Behörde, welche diesen anbietet. Weil jedoch diese Prozesse vielfach fach- und verwaltungsübergreifend sind, wird in der E-Government-Strategie 2020-2023 Austausch und Zusammenarbeit grossgeschrieben. So wird ein die fach- und verwaltungsübergreifende Zusammenarbeit geradezu als erfolgsentscheidend bewertet und die wirkungsvolle Gestaltung der Zusammenarbeit und Steuerung von E-Government im Handlungsfeld «Organisation und rechtliche Grundlagen» angestrebt.

Die Steuerung, oder auch das «Regieren» unter Einbezug von Organisationen über Fach- und Verwaltungsgrenzen hinaus, wird in der Public Management-Literatur auch «Collaborative Governance» genannt. «Collaborative Governance» wird definiert als

«[…] the processes and structures of public policy decision making and management that engage people constructively across the boundaries of public agencies, levels of government, and/or the public, private and civic spheres in order to carry out a public purpose that could not otherwise be accomplished.» (Emerson, Nabatchi, Balogh 2012:2)

Die Partizipation aller betroffenen Stakeholder ist im «Collaborative-Governance»-Ansatz zentral. Obwohl aufgrund der Vielzahl der Dynamiken und Interaktionen innerhalb eines Netzwerks die Bewertung der Effektivität des «Collaborative Governance»-Ansatzes schwierig erscheint, sind der Fachliteratur diverse Anhaltspunkte zu entnehmen, welche auf primär positive Wirkungen schliessen lassen. Diese sind ansatzweise im nachfolgenden Artikel beschrieben (vgl. Beilage*) und decken sich weitgehend mit den Schlüsselmerkmalen der zweithöchsten Partizipationsstufe (collaborative participation) gemäss der Typologie von Souza und Neto (2019, siehe Abb.1).

Abbildung 1: Partizipations-Typologie nach Souza und Neto (2019)

Es geht daraus hervor, dass für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in Netzwerken, eine tatsächliche Kollaboration anzustreben ist, die den betroffenen Stakeholder in den Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen eine tatsächliche Stimme gibt, und dass zusehends Abstand zu nehmen ist, von Instrumenten, wie z.B. Konsultationen, die lediglich eine symbolische Partizipation ermöglichen.

In diesem Sinne schlägt auch das eCH-Kooperationsmodell für die Digitale Verwaltung für die Vollzugsebene ein kollaboratives Governance- und Business-Modell vor und in dieser Hinsicht könnte der erfolgreiche interföderale E-Government-Service eUmzugCH weiter gefestigt und ausgebaut werden und dadurch als konkretes Umsetzungsbeispiel einer «Collaborative Governance» Bedeutung erlangen.

* siehe Beilage: Angelina Dungga - Ein kollaboratives Netzwerk gestalten, das Mehrwert schafft. Deutsche Fassung des Artikels "How to design a collaboration network for public value". eGov Präsenz, Jubiläumsausgabe 1/2019. S.14f. Sonderdruck für eCH-BPM mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Literaturhinweise

  • Emerson, K., Nabatchi, T., Balogh, S. (2012). An Integrative Framework for Collaborative Governance. Journal of Public Administration Research and Theory, 22 (1), p. 1-29. https://doi.org/10.1093/jopart/mur011 
  • Souza, V.B., Neto, L.M. (2019). A Typology of Coproduction: Emphasizing Shared Power. In: Stout, M. (ed.). Austerity to Abundance? Creative Approaches to Coordinating the Common Good Critical Perspectives on International Public Sector Management, Volume 6, ll7 -139. Emerald Publishing Limited.

 

Kommentare

Angelina Dungga: Concevoir un réseau collaboratif créateur de valeur dans le secteur public

dungga_ech-bpm_-_concevoir_un_reseau_collaboratif_2019.pdf

Version française de l'article «How to design a collaboration network for public value». In: eGov Präsenz, Jubiläumsausgabe 1/2019. S.14ff. tirage spécial avec l'aimable autorisation de l'auteure

Angelina Dungga, Chercheuse Senior, Institut Public Sector Transformation, Haute Ecole Appliqué Bernoise, angelina.dungga@bfh.ch